Sonntag, 28. August 2016

Körperberührung zur arabischen Begrüßung? Neun einfache Tipps für einen respektvollen ersten Kontakt

In der Firma, im Restaurant treffen wir auf bekannte Personen und wissen da sofort, wie wir uns begrüßen. Geschäftspartner bekommen einen Händedruck, Freunde ein Küsschen auf die Wange, die liebste Person einen Kuss auf den Mund. Intuitiv machen wir genau das Richtige.
Doch wie sieht es nun aus, wenn Ihnen ein arabischer Mann oder eine arabische Frau gegenüber steht? Gleich spukt es im Kopf herum: Wie verhalte ich mich richtig? Denn wir möchten respektvoll behandelt werden und respektvoll zu anderen Menschen sein.
Ich erlebe Menschen, die sofort aufeinander zugehen und sich darüber gar keine Gedanken machen. Andere wiederum sind zögerlich und warten ab, wie der Andere sich verhält. Und dann gibt es diejenigen, die etwas über eine „richtige Begrüßung“ in Anstandsbüchern gelesen oder in Benimm-Sendungen im Fernsehen gesehen haben.
Eines vorweg: Ein Richtig oder Falsch gibt es nicht, und oftmals behindern uns Gewohnheiten oder falsche, wenn auch gutgemeinte Hinweise. Verhält sich unser Gegenüber merkwürdig, werden wir unsicher. Menschen, die uns nicht anschauen, die Hand nicht geben oder größeren Abstand halten, finden wir befremdend oder suspekt.
Mir ging es einige Male so. Oft treffe ich den Imam im Stadtzentrum. Jedes Mal reiche ich ganz automatisch zur Begrüßung meine rechte Hand. Doch es kommt keine Reaktion von ihm. Er nimmt weder meine Hand noch streckt er mir seine entgegen. Plötzlich fallen mir seine Worte ein: „Ich lege meine rechte Hand auf mein Herz und verneige mich vor ihnen.“ Was für eine höfliche und achtungsvolle Begegnung denke ich und lächle ihn an.

KULTURBEDINGTE BEGRÜSSUNG

Wir besitzen unsere europäische oder deutsche  kulturbedingte Form der Begrüßung und vergessen, dass das Verhalten von Fremden für uns ungewöhnlich sein kann. Ja, es gibt unterschiedliche kulturspezifische Zeremonien, sich zu begegnen, die für uns fremdartig sind und manche von uns verwirren. Wir möchten Fehler vermeiden. Begrüßt mich der tunesische Geschäftspartner mit drei Küsschen auf die Wange oder zwei? Beginnt er auf der linken Seite und ich halte ihm die rechte hin?
Während es in unseren Kreisen üblich ist, sich die Hand zu geben, um zu zeigen: Ich bin unbewaffnet“, sieht es in arabischen Ländern ganz anders aus.
Streng religiösen muslimischen oder jüdischen Menschen sind körperliche Berührungen vor allem mit dem anderen Geschlecht nicht erlaubt. Eine jüdische junge Frau erzählte mir, dass sie keine Körperkontakte vor der Ehe haben darf und damit auch der Händedruck oder die Umarmung wegfällt.

HIER MEINE NEUN EINFACHEN TIPPS:

Wie Sie sich gegenüber Fremden korrekt und richtig verhalten können und was Sie beachten sollten, habe ich für Sie zusammengetragen

TIPP 1

Treffen Sie auf stark religiös orientierte Menschen, die vor allem an der Kleidung erkennbar sind, so sollten Sie unbedingt auf Distanz achten. Die langen Gewänder  vom Hals bis zum Boden sowie eine Kopfbedeckung bei Frauen  und Männern sind sichtbare Hinweise dafür.

TIPP 2

Direkten Körperkontakt wie Umarmungen sollten Frauen mit Männern und andersherum unbedingt vermeiden.

TIPP 3

Ein kurzes Händeschütteln ist möglich, wenn Ihnen die Hand gereicht wird.

TIPP 4

Stark religiöse Menschen vermeiden den Händedruck mit dem anderen Geschlecht. Dieser wird als unsittsam angesehen.

TIPP 5

Zur Begrüßung genügen ein kurzer Blickkontakt und ein Kopfnicken.

TIPP 6

Unverheiratete Frauen sollten ganz besonders auf einen angemessenen Körperabstand zum anderen Geschlechts achten.

TIPP 7

Strenggläubigen Muslimen ist es schlichtweg nicht gestattet, eine fremde Frau zu berühren oder anzusehen.

TIPP 8

In schwierigen Situationen kann es hilfreich sein, eine männliche Begleitperson zu haben.

TIPP 9

Oftmals reicht eine Verneigung oder eine leichte Verbeugung aus.Rechnen Sie damit, dass Ihnen nicht die Hand gereicht wird und der Blickkontakt wegfällt. Das bedeutet nicht, dass Sie ignoriert werden. Derartiges Verhalten bedeutet auch nicht, dass Sie weniger geschätzt, nicht respektiert oder sogar ignoriert werden.
Alles ist eine Frage der Interpretation, ein Richtig oder Falsch gibt es nicht. Ich würde eher sagen, ein angemessenes Verhalten können Sie erreichen, in dem Sie beobachten und fragen.

WICHTIG FÜR SIE: 

Nehmen Sie kulturfremdes Verhalten nicht persönlich, sondern versuchen Sie, es richtig zu deuten. Sie verschaffen sich am besten Respekt, indem Sie mit fachlichen Kompetenzen sowie Kenntnissen über die arabische Kultur und deren Verhaltensregeln glänzen.
Übrigens: Verheiratete Frauen genießen besonderes Ansehen, je mehr Kinder sie haben. Ältere Frauen werden als Entscheidungsträgerinnen und Respektspersonen angesehen.

FAZIT

Wie kann ich mich richtig und respektvoll verhalten? Während es in unseren Kreisen üblich ist, sich die Hand zu geben, kann ein kurzer Blickkontakt zur Begrüßung in anderen Kulturen ausreichend sein. Damit bin ich ganz gut durch die Welt gekommen.

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Montag, 15. August 2016

Interkulturelle Kompetenz: Überraschende Erkenntnisse der Stanfort-Studie

Heute erfahren Sie etwas über eine Studie, deren überraschende und bahnbrechende Erkenntnisse  Sie sofort wirksam einsetzen können. Sie erfahren, welche Werte  in Ihrem Leben am wichtigsten sind und was die Ereignisse  Ihres Tages damit zu tun haben. Ich lade Sie zu einem kleinen Forschungstest ein.



Die Stanfort-Studie

Vor 20 Jahren bekamen Studenten der Stanford University eine Aufgabe für die Winterferien, bei der sie sich täglich Notizen machen sollten.  Es wurden zwei Gruppen gebildet. Die erste Gruppe erhielt den Auftrag alle positiven Dinge zu notieren, die am jeweiligen Tag passiert sind. Die zweite Gruppe hatte eine andere Anweisung:
Schreibt

1. über die Werte, die euch im Leben am wichtigsten sind und
2. wie die Ereignisse des Tages mit diesen Werten zusammenhängen.

Nach den Ferien werteten die Wissenschaftler die mitgebrachten Notizen aus. Diese wurden ins Verhältnis zu Erkrankungen und Gesundheitszustand gebracht.

Das Ergebnis war so überraschend wie eindeutig

Die Studenten, die über ihre Werte schrieben waren im Anschluss an das Experiment seltener krank und insgesamt fitter, hatten mehr Energie und eine positivere Einstellung. Die Studie wurde in den Jahren danach knapp hundertmal wiederholt und ausgebaut – und immer wieder bestätigt.

Die Stanford-Professorin Kelly McGonigal schreibt dazu in ihrem Buch „The Upside of Stress“, dass diese Übung zu den wirkungsvollsten psychologischen Maßnahmen zählt, die je untersucht wurden.

Wie kommt es dazu?

Die Wissenschaftler haben erkannt: Kurzfristig führt das Schreiben über die eigenen Werte zu stärkeren Gefühlen von Kontrolle, Kraft und Stolz. Außerdem macht  das Schreiben darüber die Übenden liebevoller und empathischer, auch sich selbst gegenüber.

Die Übung erhöht außerdem langfristig die Schmerztoleranz und die Selbstkontrolle und verringert das „Wiederkauen“ stressvoller Erfahrungen.

Sogar Menschen, die nur einmalig für zehn Minuten über ihre Werte schreiben, profitieren noch Monate bis Jahre später davon.


Den Forschern nach gibt diese Übung den Ereignissen unseres Lebens Bedeutung, einen Sinn. Wir erkennen wieder, dass die Arbeit zwar gerade enorm anstrengt, aber dass wir’s für unsere Familie tun, die uns so wichtig ist. Oder dass die schmerzhafte Trennung vom Partner immerhin unseren Werten , unserem Wachstum und unserer Freiheit dient, uns wachsen und neu beginnen lassen kann. Die Dinge sind dadurch keine bloßen Unannehmlichkeiten mehr oder sinnlose Qual, die wir nicht verstehen und einfach nur schnell hinter uns bringen wollen. Nein, sie werden zum Ausdruck unserer Werte.


Warum das so effektiv ist? Testen Sie sich selbst

Studien hin und Studien her. Ich habe es selbst probiert. Drei Tage lang habe ich aufgeschrieben, womit ich mich beschäftige, und meine Tätigkeiten selbst erkundet. Eine Tabelle teilte ich in zwei Spalten. In der ersten Spalte notierte ich, was ich tat, und in der zweiten Spalte ergänzte ich den dazu gehörigen Wert, der dahinter steckt. Es machte Spaß, sich zu hinterfragen und zu erforschen.

Tätigkeit
Wert
Mittagessen kochen
Gesundheit
Schreibtisch aufräumen
Ordnung
Wasche waschen
Sauberkeit
Tür abschließen
Sicherheit
Lehrvideo anschauen
Bildung

Dabei gelangte ich zu drei wichtigen Erkenntnissen:

1.     Mein Tagesablauf und die darin verborgenen Handlungen sind durch  immer wiederkehrende Werte bestimmt.
2.     Wie im sich auflösenden Nebel über einem See erkannte ich meine eigene persönliche Wertestruktur, die meinem Handeln zu Grunde liegt.
3.     Stark ausgeprägte Werte wie Ordnung und Sicherheit bestimmen mein Leben.

Probieren Sie es aus! Was sind Ihre wichtigsten Werte?

Fazit:

Zur interkulturellen Kompetenz gehört es, eigenen Werte  zu kennen und zu verstehen. Welche Werte, die Kulturfremde priorisieren, sind von uns festzustellen und zu begreifen? Denn wie wir jemanden bewerten, hängt von unseren eigenen inneren Werten ab. Die den Menschen innewohnenden Werte können wir nicht sofort äußerlich sehen. Erst bei Handlungen und Äußerungen  werden sie sichtbar. Dazu brauchen wir Übung.


Also, wenn Sie mögen, nehmen Sie einen Stift. Notieren Sie Dinge, die Sie gerade beschäftigen oder belasten. Schreiben Sie Ihre wichtigsten Werte auf (z.B. Freiheit, Liebe, Erfolg, Freundschaft, Gesundheit, Abenteuer, Ansehen, Ehrlichkeit, Beharrlichkeit, Begeisterung, Einfluss, Geborgenheit, Harmonie, Genuss, Respekt, Ruhe, Sicherheit, Vertrauen). 
Viel Spaß bei der Selbsterkundung!

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