Freitag, 8. Dezember 2017

Interkulturelle Kompetenz: Kulturmodell "Zwiebel" Was hat eine Zwiebel mit Kultur zu tun?




Ja, die Zwiebel kann uns zum Weinen bringen. Sie hilft gesund zu werden und macht satt.

Was hat sie mit Kultur zu tun?

Sie wird als ein Modell genutzt. Doch dazu später.










Wie entstehen Kulturen?
Was beinhalten Kulturen?
Welche Ursachen haben Kulturen?
Was oder wer gehört zur Kultur?

Eine Menge unterschiedliche Versuche, Experimente und Nachweise versuchen genau die richtigen Antworten  zu finden.

Seit Jahren untersuchen Wissenschaftler die Kultur aus unterschiedlichen Blickwinkeln.
Bei ihren Forschungen verknüpfen sie Erkenntnisse verschiedener wissenschaftlicher Fachgebiete, vor allem Ethnologie (Völkerkunde), Soziologie, Kulturwissenschaft, Sprachwissenschaften und Psychologie.

Es herrscht keine Einigkeit, sondern eher Uneinigkeit über die Sichtweisen und das Herangehen. So  kann ich heute schlussfolgernd: Der Prototyp wurde noch nicht gefunden.

„Kultur unterliegt ständiger Veränderungen und genau darin liegen Schwierigkeiten.“ Beate  Antonie Tröster

Genau deshalb  habe ich mich entschieden, an dieser Stelle nicht nur ein Kulturmodell vorzustellen, sondern gleich mehrere. So können wir uns selbst eine Meinung bilden.


Die Zwiebel und die Kultur

Wusstest du, dass eine ganz normale Zwiebel zu einer der ältesten Kulturpflanzen der Menschheit gehört und  zugehörig zu  einer Gemüsepflanze, die seit mehr als 5000 Jahren kultiviert wird?

Wusstest du, dass die alten Ägypter  den Göttern als Opfergabe Zwiebeln reichten oder sie den Toten als Wegzehrung für die Reise ins Jenseits beigelegt wurde?

Wusstest du, das Zwiebeln eine Art Zahlungsmittel für die beim Pyramidenbau eingesetzten Arbeiter war?

Wusstest du, dass im Mittelalter die Zwiebeln auf keiner Tafel fehlten und sie als Amulett gegen die Pest dienten?


Als bekannt gilt die positive Verwertung der Zwiebel, die einerseits zur Heilung, zum Gewürzen oder andererseits als Gemüse dienen kann.

Allein diese Tatsachen beweisen eine lange kulturelle Geschichte der Zwiebel.
Die Zwiebel stellt somit ein sehr wichtigstes  Kulturgut dar.

Wen wundert es dann, dass  der niederländischen Kulturwissenschaftler Geert Hofstede die Zwiebel ins Scheinwerferlicht stellt und sie als  eine Erklärung für Kulturen nutzt.

Die Zwiebel als Modell – als Kulturmodell

Wie die unterschiedlichen Schichten einer Zwiebel, so möchte Hofstedte die verschiedenen Ebenen kultureller Prägung verdeutlichen. 

Er unterteilt Kultur mit seinem Zwiebelmodell in die Bereiche Symbole, Helden, Rituale und Werte.

Die Werte stellen hierbei den inneren Kern dar. Er wird für Kulturfremde nur indirekt sichtbar. 
Die Symbole sind die äußere Schale. Zusammen mit den Helden und Ritualen beschreibt Hofstede sie als Praktiken, die auch für Außenstehende direkt wahrnehmbar sind.

Logischer Weise hat das Zwiebelmodell mehrere Schichten. Die äußere dünnere papierartige Hülle zeigt sich als sichtbar, hörbar, riechbar, usw. wie das Essen, Kleidung, Baustil.

Die innere versteckte Zwiebelmitte versteht sich als  unsichtbar wie ein Bauplan, den natürlich der Betroffenen kennt.  Je nach Nähe zur äußeren Schale sind die Inhalte der Bereiche schneller beeinflussbar und veränderbar.

Kultur zeigt sich in drei Schichten:
  • tiefliegende Grundannahmen, Werthaltung und Normen
  • wahrnehmbare Handlung
  • materielle Güter


Interkulturelle Kompetenz: Das Kulturmodell: Eisberg - Frauen mit einer Burka, warum?


Zwischen fast ausgetrockneten grünen Sträuchern befinden sich kleine staubige Holzhütten Zwei Frauen laufen auf einer sandigen Straße führt. Sie tragen schwarze lange Gewänder. Die Hände sind unsichtbar, da Handschuhe diese bedecken.




Aus einem kleinen Schlitz zwischen Nase und Stirn blitzen leuchtende und dunkel geschminkte Augen hervor. 

Die Burka ein Kleidungsstück, dass der vollständigen Verschleierung des Körpers dient.



Wir sehen  die Frauen und denken:

Warum, um alles in der Welt tragen  die Frauen diese Kleidung?

Oh, die Frauen können nicht alles richtig sehen. Joggen oder Fahrrad fahren sind in dieser Kleidung unmöglich. Die eng anliegende Kopfbedeckung schaut sehr unbequem aus.

Was machen sie bei heißen Temperaturen? 

Fragen auf die wir Antworten suchen.

Kulturmodelle können eine Aufklärung bieten, da  komplexe Zusammenhänge vereinfacht darstellbar sind. 
Gern nutzt die Wissenschaft das bekannte Eisbergmodell. Denn in der Tat lassen sich damit Hintergründe von Situationen erklären. Wir lernen zu verstehen und begreifen.

Kulturmodell „ Eisberg“


Welche verheerenden Folgen es hat, das Unsichtbare nicht zu beachten, zeigt der Untergang der „Titanic“.

Sichtbares und Unsichtbares


Der Eisberg über dem Meeresspiegel zeigt sich als sichtbar, jedoch unter dem Wasser unsichtbar.

Der Eisberg unterscheidet in ein Oben und ein Unten.

Der Eisberg zeigt über der Wasserfläche, das WIE? und darunter das WARUM?

Das Eisbergmodell verdeutlicht, dass einige Bereiche leicht sichtbar und hörbar sind, wie Sprache, Bräuche, Kleidung, Essen sind. Der überwiegende Teil bleibt „unter der Wasseroberfläche“ verborgen. Das sind unsere   Normen, Werte, Glaube, Philosophie. Dazu gehören schmerzliche und glückliche Erfahrungen.



Das Geheimnis von verschleierten Frauen befindet sich nicht an der Oberfläche, sondern  in der Tiefe. 

Die Frage: WARUM? lässt uns beginnen zu Suchen und zu Verstehen. So finden wir Antworten.

Die Tiefe lässt zeigt:

  • Die Frauen sind religiös und könnten dem Islam zugeordnet werden.
  • Gründe für Verschleierungen sind im Glauben zu finden. Im  Koran finden mehrere Stellen über die Bekleidung von Frauen.
  • Die Kleidungsvorschriften verlangen die Verschleierung des Gesichtes, des Kopfes oder des ganzen Körpers. Teilweise wird auch nur die Bedeckung des Haares gefordert.
  • Gläubige Frauen sollen Gewänder tief über sich ziehen. So ist es am ehesten gewährleistet, dass sie erkannt und nicht belästigt werden.
  • Sure 24,31 steht: „...und sprich zu den gläubigen Frauen, sie sollen ihre Blicke niederschlagen, sie sollen ihre Scham bewahren, ihre Reize nicht offen zeigen, soweit sie nicht sichtbar sein müssen, sie sollen ihren Schal über den vorderen Teil des Kleides ziehen und ihre Reize niemand offen zeigen.
  • In einigen islamischen Ländern ist das Tragen des Schleiers gesetzlich vorgeschrieben, etwa in Saudi-Arabien.


Menschen, die mit der dieser Religion und Kultur nicht vertraut sind, erkennen die Gründe unterhalb der Wasseroberfläche nicht. 

Jedoch genau diese Erklärungen beeinflussen die sichtbaren Bereiche sehr stark. Erst durch das Wissen um die verborgenen Einheiten kann können wir  fremde Kulturen oder Religionen. Das Verhalten zeigt sich im WIE . Das WARUM erklärt daraus resultierende sichtbare Situationen. 

Übrigens ist der untere Teil immer größer und beeinflusst den oberen Teil.

sichtbar für Insider  
unsichtbar für Außenstehende 


bewusst für den gleichen Kulturkreis 
unbewusst für Menschen aus anderen Kulturbereiche

Ungeachtet der Tatsache, dass auch in vielen orthodoxen oder evangelischen Gemeinschaften des Christentums eine Kopfbedeckung für Frauen selbstverständlich ist, ordnen wir das Kopftuch in der Regel dem Islam zu. 

 In der orthodoxen Kirche, Brüdergemeinden, bei den russischen Baptisten, den Mennoniten, den Amischen und den Hutterern bedecken Frauen ihr Haar in der Kirche mit einem Schleier, einem Tuch.

Übrigens meine Urgroßmutter hat ebenfalls ein Kopftuch getragen, wenn sie in die Kirche oder auf die Straße ging.



Willst du Fehlurteile vermeiden, dann schau unter die Wasseroberfläche, in die Tiefe.






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