Freitag, 23. März 2018

Kulturunterschiede nutzen: Moslime arbeiten am Sonntag, ohne Wenn und Aber!

Neulich, Freitagnachmittags klingelt mein  Telefon. 

Die Stimme am anderen Ende fragt mich: "Wir brauchen Sie am Sonntag hier, geht das?" 

Entgegen meiner innerlichen Widerstände  antworte ich mit „Ja ok“. 

Ich ärgerte mich. Die ganze Woche freue  ich mich auf das Wochenende. 


Gott sei Dank, ein  Sonntag ohne Arbeit. Und nun sage ich so einfach zu. 




Doch warum wird bei uns am Sonntag nicht gearbeitet?

Die Ursache dafür liegt eindeutig in den Religionen begründet. 


Christentum, Judentum und Islam, alle drei Religionen haben einen heiligen Tag in der Woche. Da beten die Gläubigen zu Gott oder Allah und würdigen ihn mit Gebeten in heiligen Stätten.

In der christlichen Schöpfungsgeschichte heißt es:  Am siebten Tag ruhte Gott von seiner Arbeit aus. Er sagte: „Dieser Tag gehört mir. Er ist ein heiliger Tag. Ein Ruhetag.“.


Der Sonntag ist uns Deutschen noch bis heute heilig, obwohl im Zeitalter des Internets die Wochentage oder Uhrzeiten weniger bedeutungsvoll sind. 

Im öffentlichen Leben in den meisten christlichen Ländern wird  der Sonntag als  wöchentlicher Feiertag angesehen, und die kirchlichen Glocken rufen zum sonntäglichen Gebet.

Wir stellen fest:


Am Sonntag sind die Geschäfte geschlossen,  Ausnahmen müssen gesetzlich beantragt werden.
Am Sonntag haben alle Ämter und Behörden geschlossen.
Am Sonntag haben die Banken und die Post geschlossen.
Am Sonntag haben  Arzt- und Zahnarztpraxen sowie  Apotheken  geschlossen und alles wird über einen Notdienst geregelt.
Am Sonntag herrscht Fahrverbot für die meisten Lastkraftwagen auf den Autobahnen. 

Das Gebot der Sonntagsruhe wurde in Deutschland vor fast 100 Jahren in Artikel 139 der Weimarer Reichsverfassung gesetzlich festgeschrieben und gilt bis heute.
Wie sieht das nun in den anderen Religionen aus?

Die Juden nutzen den Sabbat oder Schabbat, der von Sonnenuntergang am Freitag bis zum Eintritt der Dunkelheit am folgenden Sonnabend dauert, als ihren heiligen Tag.

Der Freitag ist zweifellos der wichtigste Wochentag im Leben der Muslime. Er stellt den Tag der Zusammenkunft dar und erfordert ein gemeinsames Gebet. 


Kein anderes Gebot des Islams wird so akribisch, selbst von denen, die sagen würden, dass sie eher wenig mit Religion zu tun haben, befolgt, wie das Freitagsgebet. 

Dennoch ist die Bedeutung dieses Tages und des Freitagsgebetes bei Nicht-Muslimen kaum bekannt. Der islamische Freitag  ruft zum Gebet in die Moschee, das Geschäftsleben ruht und die Arbeit muss warten.  

Na klar wollen die gläubigen  Muslime am Freitag in die Moschee! 

Aber während die Christen auf ihren heiligen oder freien Sonntag ungern verzichten und Juden ihren heiligen Sonnabend pflegen, macht es Muslimen nichts aus, am Sonntag zu arbeiten.

Ein Unternehmen, eine Firma oder ein Krankenhaus kann genau diesen kulturellen Unterschied gut nutzen.

Dazu sollte ein notwendiger Grundsatz beachtet werden: 

Gleichbehandlung aller Gläubigen, denn weder die eine noch die andere Religion ist besser oder schlechter. 

Und so können wir uns auf Kulturunterschiede einstellen:
1.     Beschäftigen wir uns mit den Menschen an unserer Seite , auch wenn sie einen anderen Glauben haben oder anders sind. 

Also sprechen Sie mit Ihren Kollegen, Nachbarn oder Mitarbeitern über seinen Glauben, Rituale oder Gerüchte. 

Beginnen Sie  mit ganz einfachen Fragen: Wie geht es Ihnen? Was macht die Familie? Wie fühlen Sie sich in unserem Land, unserer Firma oder unserem Team?

2.     Wir sollten offen sein, uns mit Unbekanntem auseinandersetzen und, wenn erforderlich, uns Wissen aneignen. 

Das Internet verfügt über eine wahre Schatzgrube. Doch achten Sie  immer auf seriöse und authentische Quellen. 

Informationen aus dritter oder vierter Hand sind gefiltert und subjektiv geprägt. 

Deswegen empfehle ich Ihnen das Wissen aus direkten Quellen oder die betroffenen Menschen selbst fragen.

3.     Wir reagieren mit Bedacht und sensibel, wenn uns Ungewöhnliches, Befremdliches begegnet. Vorurteile werfen wir  über Bord, Halbwissen vervollkommnen wir und nehmen nichts für bare Münze.Das bedeutet, ein leeres Blatt Papier zu beschreiben, neu zu beginnen. 

Dieses Vorgehen fällt leicht, wenn Sie daran denken, dass Ihr Gegenüber die gleichen Bedenken, beträchtliche Ängste und mächtige Befürchtungen hat wie Sie.

So können Kulturunterschiede sinnvoll und nutzbringend zur anhaltenden Zufriedenheit genutzt werden. Denn Muslime arbeiten am Sonntag, ohne Wenn und Aber. 

Freitag, 16. März 2018

Was hat eine Jury mit Kultur zu tun? (Teil 1)



Nein, es geht nicht um „Deutschland sucht den Superstar“ oder „Germans next Topmodel“ und wer an einen Boxkampf denkt, liegt auch daneben. 

Sei es im Sport, bei einem Preisausscheid, einem Wettbewerb:

"Jede Jury oder Bewertungskommission besteht aus Personen, die Kandidaten beobachten, beurteilen und bewerten.“

Die bestehenden Regeln und angewandten Kriterien entscheiden über Leistung, Sieg oder Niederlage von Sportlern, Stars, Topmodels oder Boxer.  Die vorgestellten Darbietungen werden bewertet und es wird  begründet, warum  eine Bestleistung ausgezeichnet wird.

Auf der ganzen Welt  entscheidet beispielsweise ein Schiedsrichter beim Fußballspiel  über Regelverstöße. Er erkennt die Regeln wie ein  „Faul“ oder „Abseits“. Dem Fußballer sind ebenfalls die Spielregeln bekannt. Benutzt er die Hand beim Spiel, so erkennt er als auch der Schiedsrichter den Regelverstoß und die daraus resultierende Konsequenzen.

„Auf dem interkulturellen Spielfeld  gibt es keine eindeutigen Regeln und erkennbare Bestimmungen “
Die alltägliche kulturelle Jury besteht oftmals aus einer Person oder einer sogenannten In-Gruppen. Die Regeln werden alleinig von ihnen  bestimmt. Nach deren eigenen Ermessen wird ein Vertreter einer anderen Kultur  oder OUT-Gruppe beurteilt, zu bewertet oder eingeschätzt. Das kann  zu dramatischen Fehleinschätzungen und oftmals zu unlösbaren Missverständnissen führen.

Natürlich gibt es kulturelle Gesichtspunkte, Kriterien oder Regeln, die wissenschaftlich begründet sind. Diese  sind allerdings relativ unbekannt und werden kaum erlernt.

Nur Wenige sind sich  dessen bewusst: Unsere eigene Kultur nehmen wir als selbstverständlich und „normal“ wahr.

Welcher Jury-Typ oder Ethnozentriker sind Sie? 

So und nun können Sie sich selbst mal testen. itte kreuzen Sie an, welcher Aussage sie zustimmen und notieren sich das Ergebnis.


1. Im Allgemeinen sind Menschen aus meiner Kultur  ordentlich, pünktlich und zuverlässig. Von afrikanischen oder arabischen Menschen kann man das nicht behaupten. Viele Ausländer müssen es lernen sich richtig benehmen.  

stimme ich zu               stimme ich nicht zu

2. Die Thailänder oder Japaner sind immer freundlich und lächeln in jeder Situation. Sie wirken ausgeglichen und friedlich. Die Menschen in Deutschland sind oft unfreundlich, ernst und wollen Recht haben. Asiaten sind einfach besser als die Deutschen. 

stimme ich zu               stimme ich nicht zu

3. Ich komme mit allen Menschen klar, egal ob sie in Neuseeland, Amerika oder Indien leben. Übrigens, die Russen trinken viel Wodka und die Franzosen reden viel. Egal wir Menschen sind alle gleich und ich brauche mich nicht zu verändern.  

stimme ich zu               stimme ich nicht zu

4. Bestimmte Werte und Normen gehören zu meinem Leben, damit bin ich aufgewachsen. Afrikaner haben ihre eigene Art zu leben. Alles hängt von den kulturellen Umständen ab und ist veränderbar. Gern lerne ich, was anders ist und erkenne  kulturelle Unterschiede.

stimme ich zu               stimme ich nicht zu

Der nächste Post enthält die Auflösung.

Auflösung: Welcher Jury-Typ oder Ethnozentriker sind Sie? (Teil 2)


Eine sehr wichtige Erkenntnis vorab.
"Wir erleben anderskulturelle Menschen immer aus Sicht unseres eigenen kulturellen Wissens und Handeln."


Mit der „eigenen“ Sicht  wird beispielweise „Fremdes“  eingeordnet, bewertet, beurteilt oder verurteilt und abgewertet. Die  innere Einstellungen und differenzierte Verhalten werden dadurch sichtbar.

Insgesamt unterscheiden wir abgestuften, unterschiedliche Typen. Jede nachfolgende Aussage gehört zu einem, der vier ethnozentrischen Vertretern. Haben sie einer Aussage ihre Zustimmung gegeben, so können sie davon ausgehen, dass sie diesem Typus angehören.

Haben sie mehrere Aussagen zugestimmt, dann sind sie wahrscheinlich ein Misch-Typ. Um den eigenen Typ zu ermitteln, müssen mehrere unterschiedliche Gesichtspunkte und detaillierte Aspekte betrachtet werden.


TEST -Auflösung

Frage 1
Im Allgemeinen sind Menschen aus meiner Kultur  ordentlich, pünktlich und zuverlässig. Von afrikanischen oder arabischen Menschen kann man das nicht behaupten. Viele Ausländer müssen es lernen sich richtig benehmen. 

Wenn Sie dem zugestimmt haben, dann sind Sie Vertreter von TYP 1

Der harte Ethnozentriker leugnet Unterschiede oder bewertet sie negativ
Nur seine eigene Kultur „zählt“ sie ist eine zivilisierte Hochkultur“ .Abweichungen davon sind „unnormal“, „krankhaft“ „Er muss erst noch lernen sich zu benehmen. Emotional empfindet er Misstrauen, Ablehnung, Abscheu manchmal auch Ekel.  Neigung zur Diskriminierung und Gewaltanwendung besteht.


Frage 2
Die Thailänder oder Japaner sind immer freundlich und lächeln in jeder Situation. Sie wirken ausgeglichen und friedlich. Die Menschen in Deutschland sind oft unfreundlich, ernst und wollen Recht haben. Asiaten sind einfach besser als die Deutschen.

Haben Sie dieser Aussage zugestimmt, dann sind Sie Vertreter von TYP 2

Der negative Ethnozentriker lehnt die eigene Kultur ab und begeistert sich für die fremde Kultur. Die fremde Kultur ist besser, schöner, exotischer. Das Eigenkulturelle wird abgelehnt. Er bemüht sich um Überanpassung an die Fremdkultur und ahmt die Verhaltensweisen nach. Trägt beispielsweise die gleiche Kleidung.

Frage 3
Ich komme mit allen Menschen klar, egal ob sie in Neuseeland, Amerika oder Indien leben. Übrigens, die Russen trinken viel Wodka und die Franzosen reden viel. Egal,  wir Menschen sind alle gleich und ich brauche mich nicht zu verändern. 

Sie gehören zum Vertreter von TYP 3, wenn Sie dieser Aussage zugestimmt haben.

Der heimliche Ethnozentriker gibt sich weltoffen und akzeptiert  Unterschiede. Er verhält sich jedoch so, wie es in seiner Kultur üblich ist. Es gibt keine Probleme, wenn man sich um „Toleranz“ bemüht. Die idealistische Grundhaltung versagt beim direkten Umgang mit Menschen aus anderen Kulturen. Er verhält sich trotzdem so, wie es in seiner Kultur üblich ist.

Frage 4
Bestimmte Werte und Normen gehören zu meinem Leben, damit bin ich aufgewachsen. Afrikaner haben ihre eigene Art zu leben. Alles hängt von den kulturellen Umständen ab und ist veränderbar. Gern lerne ich, was anders ist und erkenne  kulturelle Unterschiede.  

Bestätigen Sie diese Aussage, sind Sie TYP 4 zugehörig.

Der reflektierter Ethnozentriker kennt seine eigene Kultur und sein Handeln, kann Verhalten reflektieren und ablehnende Gefühle gegenüber Fremden zu lassen.

Er akzeptiert, dass alle Menschen mit ihren Ethnozentrismus zu leben auch – auch er selbst. Er rechnet damit, dass Denken, Fühlen und Handeln von den Normalerwartungen seiner eigenen Kultur abweicht. Er arbeitet daran Offenheit, Verständnis und Kooperationsfähigkeit zu entwickeln.


Sicherlich haben sie das so nicht erwartet. Entweder hatten Sie das nicht vermutet oder Sie haben sich bisher anders eingeschätzt. Die fremden und eigenen Wahrnehmungen können sich immens unterscheiden. Daraus kann eine Überraschung oder Bestürzung auftauchen.
Hinweise für entsprechendes Verhalten erhalten sie in den nächsten Beitrag.

Interkulturelle Kompetenz: Ethno-zentristisches Verhalten

Was hat eine Jury mit Kultur zu tun?



Interkulturelles Zitat - Fremdheit

Siehst du einen unbekannten Menschen, bist du zurückhaltend und beobachtend. Die  anfängliche Fremdheit vergeht und die entstehende Nähe bre...