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Donnerstag, 15. September 2016

Interkulturelle Kompetenz: Wie Sie mit eigenen und fremden Vorurteilen umgehen können!



 „Vorurteile sind absoluter Blödsinn, denn sie stimmen nicht!“

Genau das sagt meine Mutter. Im nächsten Moment erzählt sie mir: 

"Du, die Nachbarin hat seit gestern ein neues schickes Auto. Sie hat bestimmt von ihrem Ex eine Menge Geld verlangt. Früher konnte sie sich das nicht leisten." 

Auf den ersten Blick erlebe ich Interesse an der Nachbarin. Auf den zweiten Blick erkenne ich eine klassische Unterstellung, eine bloße Vermutung und eine urteilende Einschätzung. Dieses „darüber sprechen“ wird zur Wirklichkeit gemacht. Die Folge davon ist, dass sich eine klassische VOR-Verurteilung ohne jegliche Beweise entwickelt. Und – Zack! – da haben wir unser Vorurteil. 

Und jetzt kommt es: Würde ich genau die Worte meiner Mutter weitergeben, vervielfältige ich. Das kann in der Kaffeerunde, beim Pausengespräch oder mit einem Post bei Facebook geschehen. Das Gerücht wird somit verstärkt und für wahr angesehen. Andere erzählen und spekulieren weiter.

Übertragen auf die internationale Bühne entstehen dann solche Vorurteile wie

v Deutsche sind pünktlich und trinken Bier zum Frühstück 
v Asiaten lächeln immer und essen rohen Fisch 
v Franzosen trinken Wein und diskutieren viel 
v Afrikaner kommen immer zu spät und haben viele Brüder 
v arabische Frauen tragen Kopftücher 
v Russen trinken Wodka und sind kalt
v Amerikaner können nur smalltalken und Hamburger essen.

Ihnen fällt bestimmt noch mehr dazu ein.


Ob ein VOR-Urteil wahr oder eine Lüge ist, hängt von den überprüften Tatsachen ab.

Dazu habe ich drei Empfehlungen, wie sie das tun können.  

1. Vorurteile kontrollieren 

Wenn Sie das nächste Mal ein Gerücht hören, dann glauben Sie nicht, sondern kontrollieren Sie. Nehmen Sie es nicht als das Nonplusultra an. Bilden Sie sich Ihr eigenes Urteil. 

Beispiel: Sie können den japanischen Touristen fragen, ob er immer lächelt. Erkunden Sie, ob ihr französischer Verkäufer tatsächlich dreimal täglich wie Medikamente Wein trinkt. Erforschen Sie bei den afrikanischen Nachbarn, wie er es mit der Pünktlichkeit hält. So erhalten Sie ein authentisches Urteil. 


2. Überprüfen Sie die Quelle des Vorurteils

Nicht jeder Fernsehbericht, Film, Zeitungsartikel, Blogtext kann für bare Münze genommen werden. Es schleichen sich Fehler in Beiträgen ein oder ein einseitiger Blick verhindert Klarheit und die umfassende Behandlung des Themas. Filme haben ein Drehbuch und entsprechen nicht den wahren Tatsachen. Ebenso können neidische Nachbarn oder unerfahrene Kollegen lediglich ihre Sichtweise von Situationen erzählen und darstellen. 


3. Vorsicht vor Verallgemeinerungen 
Jawohl, wir hören ein spektakuläres Ereignis und erleben unter ähnlichen Umständen Gleiches und schon erzählen wir Gesehenes weiter und verallgemeinern dabei sehr gern. 

Kommt zweimal der afrikanische Kollege zu spät, so verspätet er sich „immer“ und natürlich ist klar, dass „alle Afrikaner“ genauso handeln. 

Zwei Punkte:

1.    Vorurteile sind kein Blödsinn. Sie können auf eine Anzahl von  Menschen zutreffen.
2.    Vorurteile können vollkommen falsch sein, wenn sie in einem anderen Zusammenhang wiedergegeben werden.

Entscheidend ist der sensible Umgang mit ihnen und den betreffenden Personen.
Ich bin Deutsche und mein „German-Breakfast“ besteht nicht aus Bier und Bratwurst. Mit der Pünktlichkeit halte ich es dem Anlass entsprechend, jedoch sind einige meiner deutschen Freunde sehr oft unpünktlich. 


Achtsamer Umgang mit Vorurteilen – Die Busfahrt von München nach Berlin  


Eine internationale Reisegesellschaft befand sich auf einer Reise von Berlin nach München. Der  Bus stoppte wegen eines Motorschadens. Es qualmte und stank furchtbar im Bus. 

Der Fahrer forderte die Passagiere auf, den Bus zu verlassen und weiter zu Fuß zum nächsten Ort zu laufen. 

Nach fünfzehn Minuten wandte sich der Zweitfahrer an den Busfahrer und meldete: ”Keiner ist bereit zu laufen. Was sollen wir tun?" 

Da unterbrach der Fahrer die Reparatur und ging selbst.  Nach weiteren zehn Minuten liefen alle los.

"Wie haben Sie das denn bloß gemacht?", fragte der Zweitfahrer erstaunt.
"Ganz einfach, mein Lieber", sagt der Busfahrer, 

"den Engländern habe ich gesagt, es sei unsportlich, nicht zu laufen, 

den Franzosen, es sei schick, 

den Deutschen, dies sei ein Befehl, 

den Japanern, es sei gut für die Potenz, 

den Amerikanern, sie seien versichert, 

und den Italienern, zu laufen sei verboten."

Der Busfahrer zeigt interkulturelle Kompetenz, indem er Vorurteile nutzt, um Menschen für einen guten Zweck zu motivieren. 

FAZIT: Vorurteile gab es immer und wird es immer geben. Sie können mit Bedacht berücksichtigt werden. Vorsicht, wenn eine Beurteilung verallgemeinert und danach vervielfältigt wird. 
Wir können vielen Menschen Unrecht tun und  Gefühle verletzen. 

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Warum Sie Ihre eigenen Werte und die von Fremden kennen sollten?
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Samstag, 27. Dezember 2014

Die sechs Stufen der Treppe hinauf zur Interkulturellen Kompetenz


Willst du interkulturell kompetent sein, kannst  du nur diese Treppen hinauf steigen. In meinen zwei voran gegangenen Artikeln habe ich dir die Gefahren und Gegenmittel aufgeschrieben. Hier noch einmal zusammenfassend die sechs Stufen der Kompetenztreppe. Manchmal kannst du auch zwei Stufen zusammen nehmen.

Bei der ersten Begegnung herrscht Unwissenheit über den anderen Mensch, die fremde Situation oder den unbekannten Ort. Besiegst du die aufkommende Verwirrung entsteht der erste Kontakt. Nun beginnst du sensibel zu werden. Überwindest du die eigene negative Wahrnehmung gelangst du zum Verstehen und zunehmenden Verständnis. Die positive Wahrnehmung verführt dich dazu, dich mit weiterführenden Themen zu auseinander zu setzen.Je mehr du dich damit befasst, umso mehr verinnerlichst du alles und wirst zunehmend kompetenter.

Dazu gibt es drei Strategien:
  1. mache dir interkulturelle Situationen bewusst und informiere dich
  2. entwickle dein Wissen weiter, starte ein Training, beginne dich neu auszurichten
  3. bleib dran und strebe ein inneres Wachstum an.


Das geht nicht von heute auf morgen.
Nimm die erste Stufe und denk an das Risiko.
Foto: ant

Freitag, 12. Dezember 2014

Auf dem Weg zur Interkulturellen Kompetenz - weitere mögliche Gefahren und helfende Gegenmittel

Das gespaltene Tor gehört zu einen hinduistischen Tempel und verdeutlicht, dass alle Erscheinungen des Lebens auf Gegensätze beruhen und nichts Einzelnes wirklich vollkommen ist.

Auf dem Weg zur Interkulturellen Kompetenz erfährst du auf verschiedenen Stufen Widerstände. Dazu gibt es weitere differenzierte Gegenmittel, die ich dir vorstelle.

4. Gefahr: Widerstandes
Gegenmittel: Positive Wahrnehmung

Bei der Begegnung mit fremden Kulturen kannst du trotz Freundlichkeit und Entgegenkommen abgelehnt und abgegrenzt werden. Diese Reaktion kommt dir wie ein Angriff oder eine  Beleidung vor. Und nun entsteht in dir eine Gegenwirkung, der sich als Widerstand zeigen kann. Diese Zurückweisung tut weh und das kann ein AUS für weitere Versuche sein. 
Getraust du dir den Gegenwind zu überwinden, spürst du nach und nach, dass es Spaß macht von anderen zu lernen, Neues zu erfahren und du kannst zunehmend mehr verstehen. Die gehäuften  Kontakte mit Menschen aus anderen Kulturen ermöglichen dir verschiedene und positive Eindrücke. Schnell erkennst du, dass beginnende Wissen über andere Kulturen, über die Bedeutung des Ramadan, Tet-Fest oder des Chanukka neugierig machen.


5. Gefahr: Fehlende Unterstützung
Gegenmittel: Aneignung


Jetzt musst du dran bleiben und musst  allein klar kommen.

Verglichen mit dem Erlernen des Radfahrens werden deine Strecken länger  und abwechslungsreicher. Du probierst verschiedene Techniken, fährst mal schnell oder langsamer, mal einen Berg hinauf oder einen Abhang hinunter.

Die zunehmende Kontakte und das Kennenlernen von fremden Menschen entweder im Büro, auf der Straße, zu Veranstaltungen und in den Familien bewirken ein wachsendes Verständnis, erzeugen zunehmende Kompetenz und führen zu erfreulichen Erfahrungen.

Langsam  verinnerlichst du deine Erfahrungen  und das Tollste daran ist, dass genau diese angeeigneten Fähigkeiten bleiben.

6. Gefahr: Ungewissheit
Gegenmittel: Verinnerlichung

Durch Üben und Probieren kombiniert mit deinen Erfahrungen kannst du nun Rad fahren oder bewusst mit Menschen aus anderen Kulturen umgehen.

Die Gefahr der  Ungewissheit kann niemals ganz überwunden werden. Ungekannte Radwege oder unbekannte Menschen oder Situationen wird es immer geben.

Die zunehmende Gewissheit kommt, wenn du dich regelmäßig auf das Fahrrad setzt oder bei interkulturellen Begegnungen die Kontakte pflegst und neue Erfahrungen machst.



Sei neugierig und überwinde die Grenzen und erkenne die Gefahren und nutze die Gegenmittel.





Foto:Antonie

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